Über das Reisen 2

Wieder gelandet.

In unserer geliebten Welt. Wo wir zuhause sind. Unser Leben, die kleine schöne Welt. Bereichert.

Sitze nun hier, höre eine schöne Playlist. Das marokkanische Licht brennt. Marrakech. Auf dem großen Platz, arabische Musik, live im Hintergrund. Gerade hatten wir gegessen. Stand 52. Streetfood würde das bei uns heißen. Jeden Abend bauen sie die Stände auf inklusive Freiluftküche. Fisch, Fleisch, Gemüse. Bankreihen. Du setzt dich hin, schaust, bestellst, isst. In dieser verrückten Welt.

Gelandet gestern Abend, und doch nicht. Noch dort auf der Dachterrasse. Essaouira. Am Ende, im Norden der Stadt, am Ende der Gasse, die zum Tor führt. Das einzige Haus in der ersten Reihe. Unten der Müllcontainer. Möwen, Katzen, Menschen. Männer pissen an die Stadtmauer. Die Polizei bewacht die Synagoge, ein Holzhäuschen. Der Friseur winkt. Er möchte mich rasieren.

Die Möwen fliegen, das Meer rauscht. Die Müllfahrerin kommt. Sie fährt den Wagen, ein Mann macht das mit dem Müll. Sie trägt einen Kaftan, ist stämmig, souverän, eine Institution im Viertel. Ihr macht niemand was vor, ihr kommt keiner schräg. Sie telefoniert, wo immer ich sie sehe. Fährt, dirigiert, lacht, spricht laut, telefoniert.

Unser Flug geht am 3. Januar um 12:55 mit Air Maroc. Die Lufthansa hat uns umgebucht, nachdem sie ihren Flug hat fallen lassen. Einen Tag in Essaouira aufgeben? Am 2. fahren? Sicher nach Casablanca, Hotel, Mietwagen zurückgeben, Abflug.

Wir können uns nicht trennen.

Bleiben. Einen Abend noch. Ich habe die verruchte Bierkneipe im Internet entdeckt. Im Souk hinterste Ecke. Von den Hauptwegen ab. Ein Türsteher, breit wie hoch. Ein Kellner, der uns an ihm vorbei hineinführt. Eine eigene Welt. Eine Höhle. Männer, Muslime, die am Heiligen Freitag Bier trinken. Wein. Rausch, Rauch. Wir bestellen zwei Casablanca. Ein Mann an der Thecke schaut mich an und legt seine Hand aufs Herz. Seine beiden Schwestern leben in Schweden. Er könnte Marokko niemals verlassen. Er trägt eine Baseball-Kappe und lächelt dieses Lächeln. Dieses marokkanische Bruderlächeln, so habe ich das genannt. Manchmal siehst du es, es ist schön.

Essaouira. Der Abend des 2. Januar 2026. Wir stellen die Handywecker auf 03:30. Fahrzeit nach Casablanca ca. 5 h. Durch die Nacht über marokkanische Landstraßen. Menschen in dunklen Klamotten auf der Straße, Esel, Katzen, Mopeds ohne Licht, Schlaglöcher. Es wird empfohlen, nicht nachts zu fahren. Irgendwo im Web. Es gibt viele Marokko-Empfehlungen im Web in Richtung „Wasser nur aus verschlossenen Flaschen“. Dann kannst du Marokko auch gleich lassen.

Wir gehen zum Abschluss im La Perle Tajine essen. Wir bekommen einen sehr schönen Platz. Der Kellner wirbelt unsere Bestellung komplett durcheinander. Wir essen und trinken einfach, was er bringt. Lächeln, bedanken uns, freuen uns. Schmeckt eh, egal was.

Nach Hause, es beginnt zu regnen. Die letzten Stunden. Es beginnt so richtig zu regnen, zu stürmen, zu schütten. Der Wind drückt das Wasser durch die Fenster. Wir gehen schlafen, Viveka ist sofort weg. Ich bin unruhig. Das ist viel Regen, sehr viel Regen. Beim letzten Regen hatten die Straßen unter Wasser gestanden. Marokko ist auf starken Regen nicht eingerichtet. Ich muss aufs Klo. Der Boden der Küche ist nass. Das kleine Zimmer nach vorne hat viel Wasser. Es regnet durch. Viveka hatte das kleine Zimmer vorm Zubettgehen trocken gelegt. Die Pegel steigen.

24 Uhr. Ich wecke Viveka und sage: Wir müssen jetzt los. Das Wasser steigt, 03:30 ist zu spät, dann kommen wir aus der Stadt nicht mehr raus. Hole das Auto, die Katzen im Flur fauchen uns an. Gepäck verstaut. Los. Fahre mit Flip-Flops und in Badeshorts, weil es so geregnet hat auf dem Weg zum Auto.

An der Stadtmauer entlang, kein Auto unterwegs. Das Wasser steht hoch, der kleine Picanto pflügt sich den Weg. Ein Bild wie aus Hochwasserstädten, in denen sich Autos durch die Fluten den Weg bahnen. Es stinkt. Regenwasser und die Scheiße der Stadt haben sich vermischt. Bleiben wir jetzt stehen, haben wir ein Problem. Augen zu und durch. Klappt, wir erreichen die trockene Zone. Ich wechsle die Klamotten unter einer Arkade.

Raus aus der Stadt, vorbei am Polizeicheck. Zwei Stunden Landstraße bei Dunkelheit und Vollregen. Der Scheibenwischer auf Endstufe. Durch Orte, in denen das Wasser steht. Durch kleine Seen. Die Straßen sind geflutet, liegen voller Geröll. Start 03:30 hätten wir es nie zum Flieger geschafft. Die Zeit verrinnt. Ein Polizist mit blau blinkender Lampe stoppt uns.

Wir sollen uns einen Parkplatz und ein Hotel suchen. Sind die Straßen gesperrt? Für ein, zwei Tage, bis das Wetter besser wird. „Unser Flug geht um 13 Uhr, wir müssen nach Casablanca.“ „Not save, stay here.“ „We can’t.“ „You take the the Autoroute?“ „Yes.“ „Okay, go.“ Der Polizist ist einmal komplett durchnässt, er winkt, wir fahren.

Auf dem Autobahnschild ist Casablanca schwarz abgeklebt. An der Schranke der Bezahlstation leuchtet der grüne Pfeil. Wir fahren ran, drücken den Ticketknopf. Nichts. Shitty shit. Dann eine leuchtende Laufschrift auf Französisch, die sagt, wir sollen das Ticket entnehmen. Da ist der Freifahrtschein nach Casablanca. Die Schranke geht auf. Wir fahren.

Ich habe keine Minute geschlafen. Es ist mitten in der Nacht, wir sind komplett allein auf der Autobahn. Niemand. Nothing. Weder Pferd, Esel, Moped, Mann im schwarzen Kaftan. Nur wir. Ich bin null müde. Zu viel Adrenalin. Marokko zieht an uns vorbei. Wir fahren raus, verabschieden uns, hören mit den Rest-Gigabytes unserer eSIM Spotify. Casablanca, schau mir in die Augen. Spiel’s noch einmal.

In einer Bäckerei Msemen mit Käse. Tee aus der großen Kanne. Die Stadt erwacht, die Menschen kommen, die Kanne leert sich, wird gefüllt. Die Menschen schauen kurz nach denen, die hier nicht leben. Die Europäer, die nicht stören, aber sonst nicht hier sind. Schlürfen den süßen Tee, essen das Brot. Fahren, tanken. Wir haben nicht mehr genug Dirham. Karte? Ja! Wie viel? Ich muss das vor dem Tanken angeben. Ich rechne. Wir haben den Picanto auf 4,7 l Verbrauch runtergefahren. 400 km – wir müssten mit 200 MAD hinkommen.

Die Frage wie immer: Where you come from? Germany, allemand. „Herzlisch Willkommen in Marokko.“ Die 200 Dirham, reichen, dass der Mietwagen voll anzeigt. Ich weiß, er ist nicht komplett voll. Egal. Muss nur bis zur Station reichen. Trinkgeld, kurzes Deutsch-Englisch-Französisch-Palaver. Lächeln, Gruß, Nähe, Abfahrt.

Flughafen, Gepäckaufgabe. Passt. Trotz aller Einkäufe und Mitbringsel. Zollcheck. Winkt durch. Stempel bei der Ausreise. Eine Seite Marokko im Reisepass voll. Warten. Die letzten Dirham verfuttern. Anderthalb Stunden verspätet starten.

Der Sturm draußen. Über den Wolken. Ein letztes marokkanisches Essen im Flieger. Frankfurt, Auto am Gate entgegennehmen, auf die 45, Ferienverkehr, Schneematsch, zweieinhalb Stunden deutsche Autobahn. 36 Stunden nicht geschlafen und die Skiurlaubrückkehrer rutschen Fullspeed an uns vorbei. Was ist gefährlicher? Diese A45 voller Baustellen und Highspeed bei Schnee oder Marokko bei Nacht? Egal. Bleibe rechts, max 80. Hauptsache gesund nach Hause.

Jetzt sitze ich hier. Die Bilder ziehen vorbei. Morgen werde ich arbeiten. Texten, die Finger fliegen lassen. Reisen. Marokko lässt mich nicht los, das Leben wird mir das Land morgen entreißen. Bilder, Brüche. Momente, Gefühle. Die Seele fliegt, ich fliege, ich lande. Und hebe wieder ab. Ich will es sehen, das Fremde, das Neue, das Andere. Weil es mich reich macht. Weil es mich streichelt. Weil es mein Leben ist.

Zurückkommen. Das Haus ist warm, die Autos sind vor der Tür geparkt, die Wäsche hängt zum Trocknen, die Mitbringsel liegen sortiert auf dem Tisch, das Lämpchen aus Marrakech leuchtet bunt. David Bowie.

Man kommt nicht zurück, wie man gegangen ist. Es verändert. Den Blick, das Denken. Zunächst nur für den Moment. Ab dem ersten Videocall morgen Früh ist dann Business wieder Alltag. Fußball am Abend, die Woche getaktet. So ist Leben. Gehen, zurückkehren. Seinen Job machen.

Geld verdienen für die nächste und übernächste Reise. Lissabon steht an, Kuba im Sommer. Damit sich das Arbeiten lohnt. Rendite einfahren, Dividenden – in Muscheln, Stränden, Menschen, Erlebnissen, Abenteuern. Am Ende nichts ausgelassen haben. Jeden Stein gewendet, die Hoffnung nicht aus den Augen gelassen, das Leben nicht verschwendet. Auch, wenn nichts bleibt, so ist es jetzt prall und schön. Schweben, fliegen, wandeln. Love it. Love, love it, love it so much.

Über das Reisen

Essaouira, 31.12.2025


Nun, ich gebe zu. Über mein Reisen, unser. Viel unterwegs. Neujahr 24/25 Taghazout, Marokko. Dann Porto, Portugal. Rom, Paris, Korsika – auf dem Weg Livorno, Nizza, Lyon. Dunkerque, Basel, Schiermonnikoog und aktuell Essaouira, wieder Marokko. 

Das Jahr über habe ich mich gefragt: Weshalb? Was ist das?

Zunächst dachte ich, Flucht. Und ja, so hat es begonnen während Corona. Da hat mir dieses Land so gar nicht gefallen. Die Teilung, das Gemotze, die Vorwürfe. Radikal, laut, überzeugt, aus- und abgrenzend. War nicht schön.

Max und Freunde haben die Chance genutzt und haben sich davon gemacht. Venedig, leere Stadt, ein Palazzo. Fand ich cool, den Umgang. Während geschimpft, gemeckert, verurteilt wurde, haben sie sich davongeschlichen.

Viveka und ich auch. Nach Kroatien. Paris. An die Amalfi-Küste. Kalabrien. Ans Meer, in die Städte der Sehnsucht. Neapel. Das war der Anfang. Und dann waren wir auf Spur, in Abhängigkeit des Fernwehs geraten. Schauen, entdecken, buchen. Flüge, Fähren, Orte.

Schöne Orte. Besondere Orte. Besondere Airbnbs. Viveka hat gefühlt Wochen damit verbracht. In unserem Bett, in dem Raum, den wir Frankreich nennen. Es gibt auch eine Schweiz unterm Dach und Tibet nebenan. Dort steht der Buddha.

Ja, zunächst war es Flucht. Heute ist es das nicht mehr. Wäre auch komisch, das so zu nennen, angesichts der Menschen, die tatsächlich fliehen. 

Mittlerweile ist es einfach das unglaublich schöne Gefühl, an diesen Orten zu sein. Ein Luxus. Das Musée d’Orsay in Paris entdecken. Die Orangerie. Das Yves Saint Laurent Museum in Marrakech, die Medina, den Souk, wohnen in einem Riad.

Das schafft Erinnerungen, bewegt, inspiriert. Manchmal liegen Viveka und ich am Sonntagmorgen im Bett und lassen den Blick schweifen. Über die Zeit, über die Reisen, zu den Orten und Geschehnissen.

In Basel, als wir zufällig in die Ausstellungseröffnung von Luciano Castelli platzen. Eröffnung 11 Uhr, 11:45 Uhr betreten wir den Raum. Werden empfangen, durch die Ausstellung geführt, neben uns steht Luciano und gibt ein Interview. Als wir gehen, hören wir: „Ich habe da noch etwas für sie!“ Die nette Dame, die uns durch die Ausstellung geführt hat, überreicht uns den Ausstellungskatalog. Baff. Äh? Danke.  Merci.

Man kann im Leben die Ruhe finden, die Heimat, die Verwurzelung. Den Ort, von dem man sich nicht wegbegibt. Das wollte ich immer, nachdem ich ständig umgezogen war. Von hier nach dort. Ein Zirkusleben. Die Zelte. Abbrechen, aufbauen. Ich wollte so sehr eine Heimat, ein eigenes Zimmer, eine Ordnung. Ich bin Pedant. Akribisch, ohne es offen zu sein. Da wirke und bin ich anders. Im Innern ordne ich. Manchmal erwische ich mich, wie ich Dinge zähle. Wenn ich Holz stapele: 44, 45, 46 … Weiß dann nicht, wie ich zur 44 gekommen bin. 10x bin ich im Leben umgezogen. Habe die Sachen gepackt, versucht die Wurzeln unter der Erde hinweg mitzunehmen. Und habe doch immer wieder neu angefangen. Die einzige Konstante: Ich. Das, was ich bin, fühle, denke. Meine Gedichte sind ohne Ort. 

Was das mit dem Reisen zu tun hat? Aus der Gewohnheit ist Methode geworden. Offen sein, neugierig. Sich fordern, konfrontieren, entdecken wollen. Gewiss bin ich kein Abenteurer. Risiken wäge ich ab, und doch nicht so, wie ich es manchmal vielleicht tun sollte. Ich möchte sehen, was hinter der nächsten Ecke wartet. Noch bleiben, harren, schauen. Fühlen.

Manchmal ist es zu viel, wie in Marrakech. Ich sehe die Schönheit und Fülle im Trubel und Trudel des Tags. Der Souk. Laut, animalisch. Die Metzgerschaufenster mit baumelnden Tierteilen. Die Hoden eines Hammels strecken sich in den Weg. Eselskarren, Pferdefuhrwerke, Motortransporter, Mopeds schieben sich vorbei. Gehupe, Gerufe, Gedrängel.

Es zieht mich an, ich nehme es mit. Alles. Im Gepäck, in den Gedanken, im Ich. Es verändert.

Mittlerweile reise ich, weil ich nicht anders kann. Will. Nächstes Jahr Nazaré, Kuba, vielleicht spät im Jahr Sizilien. Aller Urlaub verplant. Weil ich zwei Tage freiberuflich arbeite, gibt es verschiebbare Masse. Möglichkeiten. Wieder weg zu kommen.

Wir haben ein schönes Zuhause. Ich fühle mich dort sehr wohl. Lebe bald 10 Jahre dort. Wie die Zeit vergeht, sagt man. In dem Haus leben die Reise. Nicht wegen Andenken, da gibt es nur einige wenige. Wegen der gemeinsamen Erinnerungen. Weil all die Reisen in Viveka und mir leben. Weil wir sie gemeinsam erinnern. Weil wir sie gemeinsam planen. Sie uns wünschen, sie wollen, sie angehen. Machen.

Heute ist Silvester 2025. Wir sitzen in Essaouira auf unserer Dachterrasse. Die Möwen fliegen, schreien, landen. Das Meer rauscht, auf den Felsen vor der Küste stehen die Angler. Wie immer sie dort hingekommen sind.

Ich denke an die Kleider von Yves Saint Laurent in Marrakech. Der Muezzin ruft. Das orangerote Kleid als Auftakt. Leuchtend. Sonne, am Abend, am Morgen. Solche Kleider entstehen aus einem Leben heraus. Nur YSL konnte sie so entwerfen und schneidern lassen. Jede Naht, jede Falte. Die Trägerinnen sollten sich fühlen. Man muss selbst fühlen, um fühlen lassen zu können. Das ist ein menschliches Geschenk, eine wunderbare Gabe. Talent ist zu wenig. Gott gegeben passt eher. Aus Zeit und durch Welten verdichtet und hinübergerettet. Zum Licht getragen, zur Blüte gebracht.

Es sind solche Gedanken, die auf Reisen entstehen. Wenn man durch die Landschaft Marokkos fährt, auf den schneebedeckten Atlas schaut, auf die kargen Landschaften, die dann plötzlich zu grünen Feldern und Olivenhainen werden. Arganbäume am Wegesrand. Und dann wieder Steinwüste, Felsen, ödes Land. Rottöne, beige. Durch die Städte, entlang der Ortsstraßen voller Menschen, Mopeds, Karren. Du fährst langsam, willst niemanden anfahren, hinter dir hupt das Taxi. Ein Hund, eine Katze, ein Mensch, der langsam die Straße quert.

Reisen, andere Welten, andere Gedanken. Alltag löschen. Alles in Relation setzen. Die Koordinaten verschieben. Des Ichs, des Seins, des Gewöhnlichen, des Ungewöhnlichen.

Mal wieder schreiben. Einen Grund haben, das zu tun. Eine Liebe. Ein Gefühl, eine schöne Emotion.

Reisen, weil es guttut. Befreit, inspiriert. YSL hat das Besondere geschaffen. Das tue ich auch, ohne mich mit ihm zu vergleichen. Dieses Jahr hatte ich Schiss, der KI unterlegen zu sein. Sie wurde so schnell so gut. Overwhelming. Ich dachte: Du hast noch ein Jahr, dann kannst du einpacken. Finito. Das war’s.

Habe viel gelernt, Onlinekurse absolviert, Zertifikate gesammelt. 26 werde ich eine 150-stündige Ausbildung machen. Aber ich weiß jetzt, keine KI ist YSL. Und keine KI ist Jens Schönlau. Wir Kreativen sind im Moment. Leben, was wir sind, was uns geprägt hat. Ich kopiere nicht. Das ist mir ein Graus. Ich koche nicht nach Kochbuch, ich schreibe nicht, wie andere schreiben. Ich trete an, mein Bestes zu geben. Die Summe all dessen, was ich gelernt und erfahren habe. Die Summe meines Ichs. Vollgas. Konsequent. Manchmal zermürbend, immer neu.

Das Reisen ist ein Teil dieses Ganzen. Kein Fliehen vor Irgendwas oder Irgendwem. Ein Trip. Farben, Gerüche, Impulse. In meiner Asche wird einmal all das enthalten sein.

Hier nun sitze ich am Meer. Blicke auf ein Jahr, die letzten Jahre, ein wenig ein Leben zurück. Ich habe es nicht geschafft, reich und berühmt zu werden. Berühmt war lange ein Plan und Antrieb. So wichtig war es mir dann scheinbar doch nicht. Als ich es hätte werden können, habe ich mich davon verabschiedet. War mir dann doch wichtiger, bei mir zu bleiben. Den kleinen Ruhm aber suche ich noch immer. Freue mich über Postings mit Likes und Aufrufen. Zuletzt sind es oft hunderte Aufrufe, manchmal Tausende. Das streichelt, ganz ehrlich, mein Ego. Mehr nicht.

Schöner ist es, durch die Insta-Bilder zu scrollen. Die Zeiten, die Reisen. Die Schönheit. Das Andere blende ich aus, weil ich es nicht mitnehme. Einer meiner Antriebe: „Es gibt immer alles auch in schön.“ Danach suche ich auf Reisen, danach lebe ich. Das ist mein Antrieb. Nun freue ich mich auf 26. Und besonders auf Kuba. Flug, Mietwagen, Unterkünfte gebucht. Der Rest ist Abenteuer. Wir werden sehen. Vielleicht wird dann eines unserer Zimmer Havanna heißen. Wer weiß. Das Schöne am Reisen: Alles ist möglich. Du weißt es einfach nicht. Plötzlich ist es da. Wie ein Strand, der nicht aufhört.

Vom Landleben & Goldfischteich zum Gespräch mit Van Gogh in Paris

Goldfischteich, Rinder am Hang, ein Uhu im Steinbruch. Und ein paar Tage später: Van Gogh im Musée d’Orsay, Ricard im Marais, Feuerwerk in Paris. Zwei Welten – ein Leben dazwischen.

Wenn ich in Mühlhausen draußen im Garten vor dem alten Steigerhaus sitze, dann auf der weißen Eisenbank am Teich. Viveka hat sie mitgebracht, als sie 2018 von Essen hierher gezogen ist. Seitdem ist sie unser fester Platz am Wasser.

Der Teich ist klein, vielleicht 1.000 Liter. Goldfische gleiten zwischen Seerosen, unter der Weide. Wenn ich am Haus entlang nach Westen schaue, sehe ich die Rinder. Sieben Tiere am Hang. Dahinter beginnt der alte Steinbruch – Naturschutzgebiet. Manchmal ruft der Uhu.

Das ist unser Alltag. Kein romantisches Landleben: ganz normal. Und genau deshalb gut.

Von hier aus nach Paris. Die große Stadt, das, was hier fehlt. Die Stadt der Liebe, niemals zerbombt, alles schön. Einfach schauen, aufsaugen, ergriffen sein. Elegante Menschen, Menschen ohne Habe und Bleibe. Alles nebeneinander, die Party, der Tourismus, das einfach Leben, die große Kunst. 

Wenn du aus einem 30-Seelen-Dorf kommst, staunst du einfach nur Bauklötze. Immer wieder neu, obwohl ich, wir, so oft hier waren.

Airbnb am Montmartre. Kleine Wohnung mit Balkon, Blick auf den Park. Die Metrostation ist gleich um die Ecke. Wir sind unterwegs, Viveka und ich.

Notre-Dame: Die Schlange reicht fast bis zur Seine. Wir mogeln uns rein – ein bisschen Glück, ein bisschen Instinkt. Ja, war nicht fair, aber wir hatten keine Zeit zu verschenken. Innen: Licht, Weite, ein Moment der Ruhe. Vor meinem inneren Auge sehe ich die Flammen, das Einstürzen des Daches.

Am Abend: Musée d’Orsay. Van Gogh. Ich bleibe lange vor ihm stehen. Schaue ihn an. Und er schaut zurück. Diese Augen, diese Farbe, dieses Getriebensein. Daneben Monet, Manet, Renoir. Und der Blick durch die riesige Museumsuhr zurück auf Montmartre.

Später: Le Pick Clops im Marais. Gerade noch einen Platz draußen bekommen. Zwei Ricard, gutes Essen, Gespräche, die fließen.

Dann diese Nacht.

PSG gewinnt die Champions League. Paris tobt. Feuerwerk am Eiffelturm. Überall Polizei, Sirenen, Menschen, junge Männer voller Emotion. Die gegen Wände treten, schreien, jubeln, fast explodieren. Die letzte Metro ist weg. Wir gehen zu Fuß – durch Paris, an Polizeisperren vorbei, ein Fan läuft auf uns zu und brüllt uns an. Enthemmt. Die Champs-Élysées entlang, bis zum Montmartre. Um vier Uhr morgens sind wir wieder da.

Was das mit dem Landleben zu tun hat?

Mehr, als es scheint.
Denn erst in der Bewegung erkenne ich, was mich trägt.
Und erst in der Stadt spüre ich, wie sehr ich das Land brauche.

Was bleibt?

Ich brauche beides.
Den Ricard im Le Pick Clops im Marais – und unseren Garten mit Teich.
Die Uhr im Musée d’Orsay – und die Stille im Steinbruch.
Das Chaos – und die Kuhweide.

Wenn ich weg bin, fehlt mir Mühlhausen.
Aber Paris bleibt auch.

🦶 Fußnote der Bewegung

Zwei Tage, zwei Städte, zwei Körper.

📍 Donnerstag: 25.477 Schritte – 15,87 km
📍 Freitag: 33.338 Schritte – 23,18 km
📍 Samstag: 31.239 Schritte – 21,33 km

Paris hat uns laufen lassen. Von Notre-Dame bis Le Pick Clops, vom Musée d’Orsay bis zum Eiffelturm – durch die Nacht, zurück zu Fuß zum Montmatre.

In vier Tagen 70 km. Ich hatte tatsächlich zwei fette Blasen am rechten Fuß. 

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P.S. – bei uns wird gerade in der Nachbarschaft ein altes Fachwerkhaus verkauft. Ein Künstlerhaus mit Atelier. Nur so.

Wärmepumpe im Altbau – raus aus dem Öl

2016 habe ich das Haus gekauft. Solide Substanz, schönes Grundstück, etwas Patina – und eine alte Ölheizung. Über die nächsten vier Jahre sollte sie mich beschäftigen. Störungen, Wartungen, Heizölpreise. Die Anlage war überfällig, der Tank riesig, der Komfort überschaubar.

Also begann ich, mich zu informieren. Energieberater, Heizungsbauer – sie alle rieten: „Nimm Öl. Funktioniert, ist günstig, du hast doch alles da.“ Auch in der Fußballkabine die übliche Meinung: „Wärmepumpe im Altbau? Das geht nicht.“

Aber ich wollte kein Öl. Kein fossiles System mehr, keine Preisexplosion, keine Abhängigkeit. Also habe ich selbst gerechnet. Grob, aber brauchbar. Für unsere 157 qm hatten wir zuvor jährlich rund 2.000 Liter Heizöl verbraucht.

Die Technik: Viessmann, Palazetti & Co.

Ich habe mich für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe von Viessmann entschieden – ein zukunftsfähiges Heizsystem, das auch im Altbau funktioniert. Kombiniert mit einem 600-Liter-Wasserspeicher und einem wasserführenden Pelletofen von Palazetti entsteht daraus eine klassische Hybridheizung im Altbau: strombetrieben und mit nachwachsendem Rohstoff ergänzt. Bei Bedarf (z. B. knackiger Frost) liefert der Pelletofen zusätzliche Heizleistung.

Die Anlage hat insgesamt rund 30.000 Euro gekostet. Etwa die Hälfte davon wurde gefördert – ein gutes Gefühl, wenn der Staat mitzieht. Der Unterschied zu einer neuen Ölheizung lag für uns bei rund 7.000 Euro. Davon haben wir innerhalb von fünf Jahren etwa 4.500 Euro über gesparte Heizkosten wieder hereingeholt.

Infos zum Haus

Baujahr 1900, 1992 kernsaniert – Fassade isoliert und verschiefert, Dach neu gedeckt und gedämmt. Fenster Doppelverglasung – 2012. Denkmalschutz. Eine typische Ausgangslage für viele, die sich fragen: Kann ich im Altbau die Heizung tauschen – ohne Komplettsanierung?

Der CO₂-Vergleich

Vorher, mit Öl:

  • 2.000 Liter Heizöl pro Jahr
  • Emissionen: rund 5.920 kg CO₂ jährlich

Jetzt, mit Wärmepumpe + Pellets:

  • 3.500 kWh Strom (deutscher Strommix): 1.124 kg CO₂
  • 800 kg Pellets (entspricht ca. 4.000 kWh): 112 kg CO₂
  • Gesamt: 1.236 kg CO₂ pro Jahr

Ersparnis: jährlich etwa 4.684 kg CO₂ – das entspricht einer Reduktion von rund 79 %. So lässt sich CO₂ sparen durch moderne Heiztechnik, auch im Bestand.

Wirtschaftlich? Ja.

Als der Ölpreis zwischendurch durch die Decke ging, lagen unsere Heizkosten rund 900 Euro pro Jahr günstiger, als wenn wir weiterhin mit Öl geheizt hätten. Aktuell würden 2.000 l Heizöl 1.926,00 € kosten, für Strom und Pellets haben wir letztes Jahr ca. 1.150,00 € bezahlt. Der Preisvorteil einer Wärmepumpe im Altbau liegt also aktuell bei 700–800 € im Jahr. Hier ein Blick auf die Heizkosten der letzten Jahre.

Selbst wenn sich die Preise wieder nivellieren – langfristig wird fossile Energie nicht günstiger. Und je mehr der CO₂-Preis steigt, desto attraktiver wird die Wärmepumpe. Das Ganze wird zusätzlich durch attraktive Förderung für Wärmepumpen gestützt – ein entscheidender Hebel bei der Entscheidung.

Fazit: Rechnet, plant, entscheidet selbst

Die übliche Mär von der Wärmepumpe im Altbau ist überholt. Es hängt zwar vom Dämmzustand, von den Heizflächen und vom System ab – aber vor allem davon, wie man die Umsetzung angeht. Moderne Wärmepumpen mit Pellets als Ergänzung machen den Schritt raus aus dem Öl realistisch – auch ohne Fußbodenheizung.

Jetzt haben wir ein zuverlässiges, zukunftsfähiges Heizsystem, mit minimalem CO₂-Ausstoß. Die Bude ist warm – und bei Bedarf sorgt der Pelletofen für Gemütlichkeit. Mein Rat: Traut euch zu rechnen, informiert euch unabhängig, und denkt beim Sanieren weiter als nur ans Heute.

Wer sich über Fördermöglichkeiten informieren will, findet Details bei der BAFA – Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.

Erinnernd

Zartheit 

Dem Setzling Anmut verleihen

In Farben

Ocker, Umbra, Siena, Vermilion

Marena, Indigo

Leuchtend

Weinende Farben

Tränen in Spuren 

am Fuße eins

Sah euch

vernahm euch

vergaß euch

Aber nun

leuchtend

an den Wänden meines Herzens 

aPRIL 25